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Tropische und gemäßigte Gärten: Zwei Welten, ein Auftrag

Ein Garten im tropischen Singapur und ein Garten in Edinburgh haben grundlegend verschiedene Ausgangsbedingungen. Die Pflanzen, die Pflege, der Energiebedarf und die Besucher-Erfahrung unterscheiden sich radikal. Aber ihre wissenschaftliche und kulturelle Mission hat sich in den letzten Jahrzehnten angenähert.

Was tropische Gärten ausmacht

In tropischen Klimazonen zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem des Steinbocks wachsen Pflanzen ganzjährig. Biodiversität ist hier nicht das Ergebnis aufwendiger Pflege, sondern das natürliche Resultat des Klimas. Tropenregenwälder beherbergen rund 50 Prozent aller Landpflanzenarten auf zehn Prozent der Landfläche. Ein Tropengarten hat die Aufgabe, diese Fülle zu kuratieren, zu dokumentieren und für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Gardens by the Bay, Singapur

Die 2012 eröffneten Gardens by the Bay sind der ambitionierteste neue Garten des 21. Jahrhunderts: 101 Hektar auf aufgeschüttetem Land in der Marina Bay. Die 18 Supertrees — baumförmige Stahlgitterkonstruktionen zwischen 25 und 50 Metern Höhe, bepflanzt mit Farnen, Bromelien und Orchideen — sind das Wahrzeichen. Die zwei temperierten Biome (Cloud Forest mit Bergnebelwald bis 1.500 Meter, Flower Dome mit mediterraner und semiarider Flora) sind klimatisierte Gewächshäuser für fremde Klimazonen in der Tropen-Metropole — eine energieintensive Umkehrung der klassischen Tropenhauslogik.

Eden Project, Cornwall

Das Eden Project in einer ausgebeuteten Kaolin-Grube in Cornwall eröffnete 2001 und beherbergt zwei Biome: ein mediterranes Biom mit südafrikanischer, australischer und mediterraner Flora und ein Regenwald-Biom, das mit 55 Metern Höhe und 1,56 Hektar Fläche das größte Gewächshaus der Welt ist. Der Energieverbrauch ist erheblich — das Regenwald-Biom wird ganzjährig auf tropische Temperatur und Feuchtigkeit klimatisiert. Eden kompensiert durch eigene Geothermieanlage und Solarstrom, macht den Energiebedarf aber öffentlich transparent.

Peradeniya Botanic Garden, Sri Lanka

Der 1821 gegründete Garten nahe Kandy, auf 147 Hektar, ist Südasiens bedeutendste tropische botanische Institution. Eine Allee aus Java-Riesenbambus (Gigantochloa verticillata), Doppelkokosnüssen (Lodoicea maldivica), Orchideenhaus und Fliegender-Fuchs-Kolonie machen Peradeniya einzigartig. Der Garten ist auch wichtiges Zentrum der Tee- und Kautschukforschung Sri Lankas.

Nong Nooch Tropical Garden, Pattaya, Thailand

Auf 600 Hektar zeigt Nong Nooch eine barocke Gartenanlage im Stil Versailles', ein Thai-Kulturtheater und eine außergewöhnliche Cycad-Sammlung (eine der größten privaten der Welt mit über 1.200 Arten). Gegründet 1954, heute ein Touristenmagneten — weniger wissenschaftlich als die anderen hier genannten Gärten, aber ein eindrucksvolles Spektakel tropischer Gartengestaltung.

Limbe Botanical Garden, Kamerun

1892 gegründet, gehört Limbe zu den ältesten botanischen Gärten Afrikas und ist eine Überlebensagentur für Pflanzen Zentralafrikas. Guinness-Rekordbäume, eine lebende Sammlung von Kameruner Nutzpflanzen und eine bedeutende Ex-situ-Sammlung bedrohter kamerunischer Waldbaumarten. Der Garten kooperiert mit Kew und dem Missouri Botanical Garden.

Foster Botanical Garden, Honolulu, Hawaii

Der älteste botanische Garten der Pazifik-USA (1853), mitten in der Innenstadt Honolulus, beherbergt außergewöhnliche tropische Bäume, darunter den größten Riesenbambus Nordamerikas, seltene Palmen und eine der bemerkenswertesten Orchideensammlungen im US-Bundesstaat Hawaii.

Aburi Botanical Garden, Ghana

Auf 64 Hektar Kühlhochland 30 Kilometer nördlich von Accra gelegen, wurde Aburi 1890 gegründet und ist Ghanas wichtigstes Pflanzen-Akklimatisierungszentrum. Eingeführte und einheimische westafrikanische Arten mischen sich in einem bewaldeten Garten, der auch als Erholungsort der Accra-Mittelklasse dient. Die Allee aus alten Mahagonibäumen ist beeindruckend.

Die Energiedebatte

Gemäßigte Gärten heizen tropische Gewächshäuser; tropische Gärten kühlen mediterrane Biome. In beiden Fällen ist Energie nötig, um Pflanzen aus fremden Klimazonen lebensfähig zu halten. Das Eden Project und Gardens by the Bay haben als erste Institutionen begonnen, den Energiebedarf ihrer Biome öffentlich zu kommunizieren und schrittweise zu reduzieren. Die Debatte ist offen: Rechtfertigt der Bildungswert einer Tropenhaus-Besuchserfahrung den CO2-Fußabdruck?

Besuche planen

Tropengärten wie Gardens by the Bay sind ganzjährig und ganzwöchig offen — frühmorgens (vor 9 Uhr) sind die Supertrees ohne Menschenmassen erlebbar. Eden Project eignet sich am besten von März bis Oktober; die Biome sind auch im Winter geöffnet, aber der Außengarten weniger interessant.

Tropische und gemäßigte Gärten auf der Karte

Die interaktive Karte zeigt Gärten aller Klimazonen weltweit. Suchen Sie nach Gärten in Ihrer Zielregion und vergleichen Sie tropische mit temperaten Sammlungen auf einen Blick.