Die Orangerie-Tradition
Die Orangerie — ein hohes, südseitiges Glashaus zum Überwintern von Zitrus und anderen frostempfindlichen Pflanzen — war die Prestige-Gartenarchitektur des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Ursprünglich italienisch und französisch, prägte die Orangerie die Art, wie nordeuropäische Eliten ihren Reichtum zeigten und wie Zitrusbäume zu Statussymbolen wurden.
Italienische Ursprünge
Die mediterrane Zitruskultivierung zog im Renaissance nach Norden, als reiche italienische Fürsten die ersten spezialisierten Winterbauten in Auftrag gaben. Die Medici-Limonaia in Boboli (sechzehntes Jahrhundert) gehört zu den ältesten erhaltenen.
Französische Vollendung
Versailles' Orangerie (Mansart, 1684-1686) ist der höchste Ausdruck — 155 Meter lang, mit rund 1.000 ausgewachsenen Zitrus in Kübeln. Die Bäume sommern im Parterre und winten innen — eine Praxis seit dem siebzehnten Jahrhundert.
Niederländische und englische Adaptionen
Het Loos Orangerie (1690er) und die Kensington Palace Orangery (Hawksmoor, 1704-1705) passten das französische Modell an nordische Klimate an. Die Kew Orangery (William Chambers, 1761) ist die meistfotografierte.
Heiztechnik
Frühe Orangerien nutzten Kohlebecken, später Heißluftkanäle. Aus dem deutschen Wort Pomeranzen (Bitterorangen) wurde das Verb 'pomeranzen' — Zitrus überwintern.
Verbreitung im achtzehnten Jahrhundert
Fast jeder bedeutende deutsche, böhmische, russische und polnische Barockhof baute eine Orangerie: Sanssouci, Belvedere, Nymphenburg, Charlottenburg, Aranjuez, Drottningholm. Die Orangerie wurde zum obligatorischen Zubehör eines Barockschlosses.
Niedergang und Überleben
Die Entwicklung billiger Gewächshaustechnik im neunzehnten Jahrhundert machte die spezielle Orangerie obsolet. Viele wurden zu Veranstaltungssälen, Gartencentern oder Museen; einige funktionieren noch wie ursprünglich gedacht.
Wo zu besuchen
Versailles, Sanssouci, Schönbrunn, Het Loo, Kew, Belvedere Wien, Charlottenburg, Schloss Hof, Aranjuez. Viele tragen ihre Rolle als Veranstaltungsorte mit Sommerkonzerten weiter.
Auf der Karte erkunden
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